Fast die Hälfte minderjährig: 77 Verdächtige nach Serie betrügerischer Online-Bestellungen

(Freiburg FR). Seit mehreren Monaten ermittelt die Kantonspolizei Freiburg wegen eines weitreichenden Phänomens von betrügerischen Online-Bestellungen, Hehlerei und Geldwäsche.

Bislang wurden 77 beteiligte Personen identifiziert, von denen fast die Hälfte minderjährig ist; 68 von ihnen wurden bereits bei den zuständigen Behörden angezeigt. Die Ermittlungen haben betrügerische Bestellungen mit einem geschätzten Schaden von CHF 100’000.- aufgedeckt. Die Ermittlungen werden unter der Leitung der Staatsanwaltschaft und des Jugendstrafgerichts fortgesetzt.

Seit Anfang des Jahres 2026 ist die Kantonspolizei Freiburg mit einem kriminellen Phänomen konfrontiert, bei dem vor allem Jugendliche und junge Erwachsene involviert sind. Sie werden über soziale Netzwerke von Personen rekrutiert, die ihnen schnelle und einfache Gewinne versprechen.

Manche erklären sich bereit, Pakete anzunehmen, Ware in Geschäften abzuholen, Gegenstände weiterzuverkaufen oder Gelder im Auftrag Dritter zu überweisen („money mules“). Damit setzen Sie sich einer strafrechtlichen Verfolgung aus.

Der Modus operandi besteht darin, Bankdaten zu nutzen, die zuvor bei Cyberangriffen gestohlen wurden, um IT- und Elektronikmaterial bei Fachhändlern zu bestellen. Die Ware wird anschliessend von Mittelsmännern abgeholt, bevor sie weiterverkauft wird.

Die Gewinne werden an die Drahtzieher überwiesen oder in andere illegale Aktivitäten investiert.

Signifikante Resultate

Nach mehrmonatigen Ermittlungen erzielte die Jugendbrigade folgende Ergebnisse:

  • 77 Personen als Beschuldigte identifiziert, von denen fast die Hälfte minderjährig ist;
  • 24 Anhaltungen und Hausdurchsuchungen durchgeführt;
  • 124 betrügerische Bestellungen aufgedeckt;
  • 50 Strafanzeigen aufgenommen;
  • Eine geschätzte Schadensumme von über CHF 100’000.-;
  • 187 Kreditkarten kompromittiert, davon 118 Inhaber identifiziert;
  • 68 Personen bereits bei den zuständigen Behörden angezeigt.

Bislang haben die Ermittler drei mutmassliche Hauptdrahtzieher identifiziert und angehalten.

Einen 24-jährigen Staatsangehörigen von Portugal und zwei 23-jährige Schweizer Staatsangehörige, die alle ausserhalb des Kantons wohnhaft sind.

Die Ermittlungen haben auch aufgezeigt, dass sie nicht nur ihren Aufenthalt in Hotels und Urlaube mit den gestohlenen Bankdaten finanziert, sondern auch mehrere betrügerische Geldtransfers getätigt haben.

264 km/h auf einer 80er-Strecke

Im Rahmen der Ermittlungen wurden zudem mehrere schwere Verstösse gegen das Strassenverkehrsgesetz (SVG) und gegen das Waffengesetz (WG) aufgedeckt.

Einer davon betrifft einen Via-Sicura-Fall mit Beteiligung eines minderjährigen Freiburgers im Alter von 17 Jahren (Bruttogeschwindigkeit von 264 km/h auf einem Abschnitt einer Kantonsstrasse mit einer Begrenzung von 80 km/h).

Die Ermittlungen ergaben zudem, dass zwei minderjährige Freiburger den Modus operandi ihrer Drahtzieher kopiert hatten, indem sie weitere Jugendliche rekrutiert oder eigene betrügerische Bestellungen getätigt hatten.

Die Ermittlungen werden fortgesetzt und könnten zur Identifizierung weiterer beteiligter Personen führen.

Präventionstipps

Die Kantonspolizei weist darauf hin, dass jede Bankkarteninhaberin und jeder Bankkarteninhaber von dieser Betrugsart betroffen sein kann.

Sie empfiehlt:

  • Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren, wenn sie angeboten wird;
  • Die Kontoauszüge und Kreditkartenabrechnungen regelmässig überprüfen;
  • Jede verdächtige Transaktion unverzüglich dem Finanzinstitut melden;
  • Bei betrügerischem Missbrauch unverzüglich Strafanzeige erstatten;
  • Weitere Informationen: www.pay-attention.ch
💳📦 Schnelles Geld? Diese Warnsignale sollten Eltern und Jugendliche kennen

📱 Vorsicht bei Jobangeboten über Social Media
Wer dafür bezahlt werden soll, Pakete für unbekannte Personen anzunehmen, Waren abzuholen, weiterzuverkaufen oder Geld weiterzuleiten, sollte besonders misstrauisch werden.

💰 „Schnell und einfach Geld verdienen“ ist ein Warnsignal
Kriminelle Netzwerke werben gezielt Jugendliche und junge Erwachsene an. Wer als sogenannter „Money Mule“ Geld oder Waren weiterleitet, kann selbst strafrechtlich verfolgt werden.

⚠️ Für Eltern besonders wichtig:
Teure Elektronik, grössere Geldbeträge oder hochwertige Gegenstände ohne nachvollziehbare Herkunft können darauf hindeuten, dass ein Jugendlicher von einem kriminellen Netzwerk angeworben wurde.

🔐 Zwei-Faktor-Authentifizierung einschalten
Wo immer möglich, sollten Onlinekonten und Zahlungsdienste zusätzlich mit einer zweiten Sicherheitsstufe geschützt werden.

🧾 Kreditkartenabrechnungen regelmässig prüfen
Unbekannte oder verdächtige Belastungen sofort dem Finanzinstitut melden. Je früher ein Missbrauch erkannt wird, desto schneller können Gegenmassnahmen eingeleitet werden.

✅ Im Zweifel lieber einmal nachfragen
Bei verdächtigen Situationen empfiehlt die Kantonspolizei Freiburg, sich unter 026 347 01 17 zu melden.

Die Kantonspolizei bittet auch die Eltern, wachsam zu bleiben. Ein Jugendlicher, der plötzlich und ohne glaubwürdige Erklärung über hohe Geldsummen, wertvolle elektronische Geräte oder teure Gegenstände verfügt, könnte von einem kriminellen Netzwerk angeworben worden sein.

Es ist wichtig, junge Leute für die Risiken zu sensibilisieren, die mit sozialen Netzwerken und dem Versprechen auf schnelles Geld im Austausch für die Entgegennahme von Paketen, Geldüberweisungen oder den Weiterverkauf von Waren verbunden sind.

Im Zweifelsfall oder bei einer verdächtigen Situation ist es ratsam, sofort die Kantonspolizei unter der Nummer 026 347 01 17 anzurufen.

 

Quelle: Kantonspolizei Freiburg
Bildquelle: Kantonspolizei Freiburg